Mein Schatten und ich

Claudia Contu, die Wortkünstlerin über die Integration von unliebsamen Gefühlen, inkl. Reflexion und Übung


Da gab es diesen einen Menschen. Er schien so wunderbar perfekt zu sein. Immer, wenn ich ihn sah, diesen Menschen, zog sich in mir mein Magen zusammen und ich hasste jegliche seiner Gesten, seiner Worte, gar die Tonalität seiner Stimme. Ich stempelte also diesen Menschen als mir unsympathisch, hochnäsig und stolz ab und ließ es zunächst dabei.



Doch mit der Zeit, glücklicherweise, fängt manch eine von uns doch an, auch sich selbst zu hinterfragen. Damit meine ich nicht das Zweifeln an der eigenen Person, denn das tun wir seit Beginn unserer Sozialisation an -was wohl genau ein Punkt all der Problematik zu sein vermag-, sondern das tatsächliche Aufarbeiten längst verdrängter und gut begrabener Lebensmomente.

Hier und da gelangen wir auch an den einen oder anderen Schatten unserer Selbst. Meist ist es unsere ständige Begleitung, die Angst, die uns davor schützen mag und diese lässt uns schon mal jahrelang, manch Eine gar ihr Leben lang, nicht zu den eigentlichen Ursprüngen zurückkehren. Doch wir, die versuchen, unseren Ursprung, unseren wahren Kern, zu finden, uns zumindest in seine Nähe zu wagen, lernen auch jene Seiten unseres Ichs kennen, die uns weniger gefallen mögen.


Diese Schatten also, die sich tief in unserem Unterbewusstsein verbergen, kommen hier und da an die Oberfläche, klopfen an unserem Herzen an, lassen es schwer wiegen und so viel schneller klopfen, als wir es gewohnt sind und bringen uns damit völlig aus unserem Konzept. Dies führt zu Unbehagen und schließlich zu einem Gefühlsausbruch sondergleichen. Diese uns meist unangenehme Emotion zeigt uns nun, wie gern doch diese Schatten hervorkommen möchten. Und was könnte darauf eine angemessenere Antwort sein, als uns mit diesen aktiv und bewusst auseinanderzusetzen?


Welch ein Schatten könnte sich in dir „verstecken“?


Ist es vielleicht der Neid? Bist du denn ein neidischer Mensch? Versuchst du dies zu übergehen? Er wird dich „leider“ immer wieder einholen… Ein Mensch scheint mehr zu haben, besser zu sein, schöner, schneller, erfolgreicher? Der Neid wird an deiner Herzenstür anklopfen und du wirst irgendwann die Kontrolle über dieses deine Gefühl verlieren. Jemand oder etwas wird dich triggern, wie frau schön sagt.


Aber weißt du, wie du dem entgegenkommen kannst? Integriere deinen Neid. Arbeite mit ihm. Kooperiere mit ihm.


Eine mir liebgewonnene Übung, die mich dazu ermutigt hat, mich mit meinen eigenen Schatten zu versöhnen, lässt mich seit geraumer Zeit nachts ruhiger schlafen, mit unangenehmen Situationen entspannter umgehen und gar Triggerpunkte „umpolen“. Was ich meine? Ich habe bestimmte Schattenseiten meiner selbst ins Licht gerückt. Sie zeigen mir nicht mehr die dunkle Seite, vielmehr wie ich sie zu meinem Guten wenden und mir positiv zum Nutzen machen kann.


Sagen wir mal, um beim obigen Beispiel zu bleiben, ich wäre ein neidischer Mensch. Ich werde kribbelig, wenn ich erfolgreiche Frauen sehe, empfinde sie als unangenehme und eingebildete Zeitgenossinnen und wende mich verärgert ab.


Ich höre und fühle nun in mich hinein und lasse diesen meinen Neid zu. Natürlich muss ich zunächst mal dieses Gefühl des Neides erkennen und ehrlich mir gegenüber sein.

Anschließend gebe ich meinem Neid einen Namen, einen Begriff, der ihn, meiner Meinung nach, gut beschreibt.


Sagen wir mal, mein Neid möchte „Gelb vor Neid“ heißen…


Nun lass ich mal meinen „Gelb vor Neid“ FÜR sich sprechen!

Vielleicht sagt er mir ja: “Ich bin neidisch auf jede erfolgreiche, schöne und glückliche Frau!“

Möglicherweise verurteile ich instinktiv den Neid dafür, weil diese Eigenschaft von unserer Gesellschaft höchst verabscheut wird.

Dann denke ich aber nach, warum mein Neid dies wohlwollend meinen könnte und hier des Neides Gedanke dazu: „Ich bin auf sie neidisch, denn ich möchte dein Ansporn sein, dich mehr um dich selbst zu kümmern, selbstbewusster zu werden, deine Selbstzweifel zu überwinden und eigene Erfolge zu feiern!“


Nun werde ich erkennen, dass dieser Neid mir Gutes wünscht. Er will nicht, dass ich mich schlecht fühle. Er will nicht, dass andere mich schlecht fühlen lassen. Und vor allem: Das Ganze hat nichts mit meinem Gegenüber zu tun. Sondern mit mir. Ich projiziere lediglich auf andere…


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Vielleicht kann ich meinem Neid gar die Hand reichen und mir Ziele setzen, vielleicht unterstützt mein Neid mich dabei, eigene Wege zu gehen, alt eingesessene Glaubenssätze („Ich bin nicht genug. Ich bin nicht GUT genug. Ich schaffe nichts…“) zu bekämpfen…


Aber nun zu dir: Welche Schattenanteile schlummern in dir? Gier? Missgunst? Hass? Eifersucht?…

Welchen hast du schon deine Hand gereicht? Welche versuchst du hingegen noch zu verstecken?


Versuche es doch mal MIT Ihnen, dann kannst du endlich GANZ DU sein.


Deine Wortkünstlerin.


www.wortkuenstlerin.com

Claudia Contu, Ghostwriterin, Texterin und Lebensberaterin

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