Selfcare-Zutat EMPATHIE

Da dies mein erster Beitrag auf dieser wunderbaren Plattform ist, möchte mich Euch kurz vorstellen. Ich bin Mona Kino, Autorin und erlebnisorientierte Familientherapeutin in Berlin, wo ich mit meinen beiden Kindern, 16 und 18, als getarnte Alleinerziehende lebe. Getarnt deshalb, weil mein Mann beruflich im Jahr zwischen sechs und acht Monaten im Ausland tätig ist.


Es hat lange gedauert, bis ich meinen alleinerziehenden Status bemerkt habe, denn: ich war ja in einer Partnerschaft. Und bis dahin bin ich oft weit über meine Grenzen gegangenen, bis hin zum Nervenzusammenbruch. Aus diesem Grund ist es mir eine Herzensangelegenheit das, was ich dazu gelernt habe mit Gleichgesinnten zu teilen. Denn heute lebe ich in einem friedlichen Einklang mit mir und den Bedingung, die meine individuelle Familie mit sich bringt.


Aber was hat das jetzt mit Empathie zu tun, als eine weitere Zutat für Selfcare? Ist das nicht das gleiche wie Achtsamkeit? Oder Mitgefühl?


(Foto: privat)


Eine meiner ersten Erinnerungen, welch positive Qualität das Trainieren meiner Empathiefähigkeit auf meinen SelfcareFaktor und unser Leben hat ist diese:

"Ich habe meine Sporttasche vergessen", sagte mein Sohn vom Rücksitz unseres Autos. Wir waren gerade an seinem Tischtennis-Trainingszentrum angekommen. Wie in dem Film "Inside out“, kamen eilig auf den Plan gerufen, mein persönlicher Kriegsminister, der Innenminister und der Verteidigungsminister zu einem Treffen zusammen. „Na, welche Erziehungsmaßnahme, hätten Sie denn jetzt gern?“


Dann dehnte sich die Zeit irgendwie. Es begann damit, dass ich merkte, dass mir auch der Atem im Hals stecken blieb. Das passiert immer, wenn ich wütend bin. Und während ich mich darauf konzentrierte, diesen Bereich zu entspannen, konnte ich ihren Argumenten zuhören, wo ich vorher Ohrensausen hatte und Scheuklappen, durch die ich nicht sehen konnte.

"Er wusste, dass du eine wichtige Verabredung hast, gleich nachdem du ihn zum Training gebracht hast. Wie oft willst du dich noch von ihm verarschen lassen? Wir werden das Computerspielen für vier Wochen einschränken, ohne Erklärungen." sagte der Kriegsminister.

"Ich denke, wir sollten ihm erklären, warum wir denken, dass dies die Folge von zu viel Gaming ist“, legte der Innenminister in die Waagschale „und ihm sagen, dass wir das nächste Mal das W-Lan sechzig Minuten vor Verlassen des Hauses abschalten."

"Du und deine ganzen Erklärungen. Ihr solltet lieber nach den Gründen für das viele Zocken suchen, und jetzt solltet ihr euch ganz auf die Lösung des Problems konzentrieren: wie ihr den wichtigen Termin schafft und die Schultasche rechtzeitig bekommt ….." konterte der Verteidigungsminister.



Während ich also meinem Atem folgte (das ist der Achtsamkeitsanteil , den wir für unsere Empathie benötigen), konnte ich also auch meinen Gedankenmustern folgen und, dass ich normalerweise, wenn ich mich nicht auf meinen Atem konzentriert hätte, gleich den Kriegsminister laut zu Felde geführt hätte. Aber jetzt tat ich etwas anderes. Ich fragte mich: “Wie jämmerlich fühlst du dich, wenn Du etwas vergessen hast und jemand anderes es eilig hat?“


Ich überprüfte die Zeit und ich sah in den Rückspiegel. Ich sah in den Augen meines Sohnes Angst, ebenso bei meiner Tochter, die neben ihm saß. Angst, dass mein Kriegsminister wieder herauskommt. Ihnen stockte der Atem, genauso wie mir zuvor. 1 von 2 Ich legte wieder die Achtsamkeit auf meinen Atem und dreht mich um: „Ich weiß, wie unangenehm dir das jetzt ist. Es ist aber noch genug Zeit, um nach Hause zu fahren, die Tasche zu holen und wenn ich nicht rechtzeitig zu meinem Termin komme, wird ein Telefonanruf sein Bestes tun, um mich für mein Zuspätkommen zu entschuldigen.“


Beide entspannten sich innerhalb von Sekunden. Als ich meinem Sohn und meiner Tochter an dem Abend „Gute Nacht“ sagte, bedankten sie sich bei mir. „Bist du jetzt immer so?“ Ich lachte und sagte: “Das will ich gern.“


Früher hätte ich noch gesagt, dass es mir leid tut, dass sie so ein emotionales Gewitter als Mutter haben. Aber, und das ist die Antwort darauf, ob Empathie nicht synonym mit Mitgefühl benutzt werden kann: Eine solche Aussage hätte sie nur klein gemacht. Weshalb?


Kinder, vor allem die jüngeren, wissen viel besser als wir, dass heftige Gefühle kommen und gehen, und dass sie uns dennoch lieben. Denn das ist die Perspektive, die sie auf die Welt haben. Empathie lädt alle Gefühle ein und sie ist kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit.


Natürlich gibt es immer noch Momente, in denen ich denke, dass alles in meinem Leben feststeckt und für die Ewigkeit manifestiert ist. Und an manchen Tagen scheinen diese Momente ewig zu dauern. Aber einige Jahre des Praktizierens haben mich gelehrt, dass jede noch so heftige Emotion nach einigen Minuten vorbei ist. So wie auf Donner und Blitz die Sonne folgt.

Oder so wie es der Dali Lama mal sagte: „Wenn ich wütend bin, dann bin ich wütend. Dann ist die Wut weg.“


Mona Kino

Autorin, Familientherapeutin, Heilpraktikerin Psych.

Familien-, Paar- & Einzelberatung

www.monakino.de